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Besondere Herausforderungen

Das Projekt zur Erweiterung des Regenüberlaufbeckens (RÜB) Kniebreche in Stockach ist durch eine Kombination anspruchsvoller geotechnischer, hydrologischer, statischer sowie organisatorischer Randbedingungen gekennzeichnet:

  • Arbeiten unter dauerhaft hohem Grundwasserstand innerhalb hochdurchlässiger Würmkiese mit lokal gespanntem Grundwasser und geringer hydraulischer Barrierewirkung der unterlagernden Süßwassermolasse.
  • Aufrechterhaltung des Anlagenbetriebs des bestehenden RÜB während der gesamten Bauzeit, wodurch klassische Baugrubenlösungen mit offener Wasserhaltung oder rückverankerten Verbauwänden ausscheiden.
  • Mehrfunktionale Nutzung von RSS®-Flüssigboden als temporäres und dauerhaft wirksames Bauwerkselement (Verbau, Abdichtung, Auftriebssicherung).
  • Hohe statische Anforderungen infolge äußerer Auflasten, Bauzustände und möglicher Baugrundveränderungen bei gleichzeitig begrenzten Verformungstoleranzen.
  • Schnittstellen zu Bestandsleitungen (u. a. DN-400-Leitung) mit erhöhtem Risiko für Undichtigkeiten und Setzungen.
  • Genehmigungs- und umweltrechtliche Rahmenbedingungen, insbesondere im Kontext der Ersatzbaustoff-Verordnung (EBV) und der Vermeidung von Abfall aus Bodenaushub.

Aus Projektsicht war damit frühzeitig klar, dass eine konventionelle Bauweise mit hohem terminlichem, wirtschaftlichem und betrieblichem Risiko verbunden wäre.

Die Lösung

Planung und Berechnung

  • FEM-gestützte Verformungs- und Stabilitätsanalysen zur Abbildung aller relevanten Bauzustände (Aushub, Zwischenzustände, Endzustand).
  • Berücksichtigung projektspezifischer Materialkennwerte des RSS®-Flüssigbodens (E-Modul, Scherfestigkeit, Adhäsion) unter konservativen Annahmen für Frühzustände.
  • Nachweisführung nach GEO-3, inklusive Worst-Case-Szenarien (Baggerlasten, temporäre Auflasten, hydraulische Gradienten).

Die Berechnungen zeigten, dass ohne RSS®-Flüssigboden bereits bei geringen Aushubtiefen Grundbruchmechanismen ausgelöst würden, während das gewählte System sämtliche Lastfälle sicher aufnehmen kann.

Technologieeinsatz

  • Einsatz von PLAXIS 3D zur realitätsnahen Modellierung komplexer Schichtfolgen und Lastpfade.
  • Anpassung der RSS®-Rezeptur zur gezielten Steuerung von Plastizität, Dichtigkeit und Adhäsion an Betonbauteile.
  • Nutzung des Flüssigbodens als suspensionsartiges Stützmedium während des Aushubs mit späterer Festigkeitsentwicklung.

Sanierungsstrategien

  • Trennung zwischen materialbedingten Eigenschaften und technologisch bedingten Abweichungen.
  • Entwicklung gezielter, lokal begrenzter Sanierungsmethoden (u. a. druckkontrollierte Flüssigbodeninjektionen).
  • Vermeidung großflächiger Rückbaumaßnahmen und Sicherstellung der Bauwerksintegrität.

Fachplanerische Lösungen

  • Numerische Modellierung: FEM-Simulationen zur Prognose von Verformungen, Spannungen und hydraulischen Wechselwirkungen über alle Bauzustände.
  • Rezepturentwicklung: Projektbezogene Einstellung der Flüssigbodeneigenschaften zur Erfüllung statischer, hydraulischer und baupraktischer Anforderungen.
  • Standsicherheitsnachweise: Differenzierte Betrachtung temporärer und permanenter Lastfälle unter konservativen Annahmen zur Erhöhung der Ausführungssicherheit.

FiFB-Lösungen

  • Flüssigbodenoptimierung: Einsatz erweiterter RSS®-Rezepturen zur Erhöhung der inneren Stabilität und zur Verbesserung der Verbundwirkung zwischen Beton und Flüssigboden.
  • Sanierungskonzepte: Systematische Abdichtung identifizierter Leckagen durch hintergreifende Flüssigbodenmaßnahmen ohne Eingriff in das Gesamtsystem.
  • Qualitätssicherung: Fachtechnische Begleitung der Bauausführung, Dokumentation der Einbauparameter und Bewertung der Ausführung im Hinblick auf Dauerhaftigkeit.

FB-Anwendungsbereiche

  • RSS®-Wand und Bodenplatte: Einsatz als kombiniertes Verbau-, Abdichtungs- und Auftriebssicherungssystem bei hoher Grundwassereinwirkung.
  • Wasserdichte Gräben und Leitungsbereiche: Flüssigboden als hydraulische Barriere, u. a. bei der Umverlegung der DN-400-Leitung.
  • Sekundäre Effekte: Reduzierung von Setzungen, Minimierung von Nachverdichtungsaufwand und Erhöhung der Betriebssicherheit angrenzender Infrastrukturen.

Zusammenfassende Bewertung

  • Projektleiter-Sicht: hohe Termin- und Ausführungssicherheit, reduzierte Schnittstellen, beherrschbare Risiken.
  • Betreiber-Sicht: dauerhafte Dichtigkeit, geringe Folgekosten, hohe Robustheit gegenüber Extremereignissen.
  • Kalkulator-Sicht: Einsparungen bei Verbau, Wasserhaltung, Entsorgung und Bauzeit sowie stabile Lebenszykluskosten.